Beschreibung
Die Maßnahme entspricht dem Handlungsfeld 4 der Umsetzungsstrategie des Wärmeplans der Stadtgemeinde Bremen - Klimaverträgliche Wärmequellen nutzbar machen
Anergienetze auf der Grundlage von erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme sind eine vielversprechende Technik, um potenziell einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung von bestehenden Gebäuden zu leisten. In der Stadt Bremen wird zurzeit insbesondere die Möglichkeit untersucht, Anergienetze in Kombination mit oberflächennaher Geothermie zu realisieren.
Das Konzept, für ein solches Anergienetz und die zugehörigen Erdwärmesonden den öffentlichen Straßenraum zu nutzen, wurde im Rahmen von zivilgesellschaftlichen Initiativen entwickelt. In der Stadt Bremen spielt hierbei die 2024 gegründete Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze eG eine führende Rolle. Mittlerweile verzeichnet die Genossenschaft nach eigenen Angaben mehr als 1000 Personen im gesamten Stadtgebiet, die sich für den Anschluss ihres Gebäudes an ein Anergienetz interessieren.
In Neubaugebieten sind Anergienetze deutschlandweit bereits erfolgreich realisiert worden. Bisher liegen jedoch kaum Erfahrungen zur technischen und wirtschaftlichen Realisierbarkeit von Anergienetzen im Gebäudebestand vor.
In der Stadt Bremen sollen vorbereitende Untersuchungen für mehrere Pilotprojekte zur Realisierung von Anergienetzen im Gebäudebestand begleitet und unterstützt werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen systematisch ausgewertet werden. In diesem Zusammenhang soll insbesondere geklärt werden, inwieweit Anergienetze für Teilgebiete, die derzeit noch als Prüfgebiete eingestuft sind, eine technisch und wirtschaftlich realisierbare Wärmeversorgungslösung bieten. Dies soll auch im Rahmen der Fortschreibung der Wärmeplanung für die Stadt Bremen berücksichtigt werden.
Das Land Bremen hat im Jahr 2024 die „Richtlinie zur Förderung von vorbereitenden Untersuchungen für Pilotprojekte zur Realisierung von Anergienetzen“ geschaffen. Gefördert werden Untersuchungen zur Lokalisierung von bestehenden Versor-gungsleitungen, Probebohrungen und geothermische Tests sowie Untersuchungen zur technischen und wirtschaftlichen Realisierbarkeit. Die Richtlinie ist am 5. September 2024 in Kraft getreten.
Zur Vorbereitung eines Pilotprojekts im Bereich Humboldtstraße/Friedensgemeinde wurde von der Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze eG ein Förderantrag gestellt, der von der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft bereits bewilligt wurde. Die Untersuchungen werden zurzeit durchgeführt und sollen nach derzeitigem Planungsstand im Anfang 2026 abgeschlossen werden. Mittel für zwei weitere Pilotprojekte stehen zur Verfügung.
Die Stadt Bremen unterstützt Pilotprojekte zur Realisierung von Anergienetzen, indem sie die Verlegung der Zirkulationsleitungen und der Erdwärmesonden im öffentlichen Straßenraum gestattet. Ein Entwurf eines entsprechenden Nutzungsvertrages wurde vom Amt für Straßen und Verkehr mit Unterstützung der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung bereits erarbeitet und mit der Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze eG abgestimmt.
Auf der Grundlage der Untersuchungen für Pilotprojekte wird eine fundierte Entscheidung darüber getroffen, ob Anergienetze als Wärmeversorgungslösung für Bestandsquartiere im Rahmen der Fortschreibung der kommunalen Wärmeplanung berücksichtigt werden können.
Die Förderung nach der Richtlinie ist auf einen Höchstbetrag von 100.000 EUR je Pilotprojekt begrenzt. Im Haushalt der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft stehen ausreichende Mittel zur Verfügung, um Untersuchungen für bis zu drei Pilotprojekte zu fördern.
Sofern die Ergebnisse positiv ausfallen, sollen Anergienetze als Wärmeversorgungslösung im Rahmen der Fortschreibung der kommunalen Wärmeplanung verstärkt berücksichtigt werden. Die erste Fortschreibung des Wärmeplans soll bis Ende 2028 vorliegen und veröffentlicht werden.